Brief von Eric. Unser Bruder Mariano PUGA

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16. März 2020

Nun werde ich nicht mehr sehen den HERRN, ja, den HERRN im Lande der Lebendigen; nun werde ich nicht mehr schauen die Menschen bei denen, die ihre Zeit leben.
Meine Zeit ist dahin und von mir weggetan wie eines Hirten Hütte. Ich reiße mein Leben ab wie ein Weber; er bricht mich ab wie einen dünnen Faden. (Is 38, 11-12)

“Es gibt so etwas wie einen guten Tod. Wir sind selbst verantwortlich dafür, wie wir sterben. Unsere Wahl besteht darin, uns entweder derart an das Leben zu klammern, dass unser Tod immer nur wie ein Versagen wirken kann, oder unser Leben frei herzugeben, so dass wir anderen als Quelle der Hoffnung gegeben werden können. ” (Henri Nouwen, Du bist der geliebte Mensch).

Geliebte Brüder,

ich bin zutiefst dankbar für das Geschenk und traurig über den Verlust und kündige den Tod unseres großen Bruders, lieben Freundes und lebenden Symbols unserer Bruderschaft, MARIANO PUGA CONCHA aus Santiago, Chile, an. Er starb am 14. März 2020 im Alter von 88 Jahren. An Lymphkrebs gestorben.

Lasst mich die Seelenverwandtschaft, die wir mit Mariano hatten, mit den folgenden Zeilen ehren. Mein erstes Treffen mit ihm fand 2000 auf der Generalversammlung in Kairo statt. Vor seiner Wahl zum Generalverantwortlichen war seine Anwesenheit auf der Versammlung wie ein Virus, der uns mit Freude und Lachen mit seinem köstlichen Gesang, begleitet von einem Akkordeon, verseuchte. Ich wusste nicht, dass diese Lieder aus den Slums von Santiago stammen. sehr gemütlich und mächtig und nie depressiv. Er war wie ein Troubadour, der mit Lunge und Herz die Träume und Sehnsüchte seines Volkes aus Santiago sang. Sein ungestümer Geist und seine Musik voller Freude faszinierten mich.

Mein zweites Treffen fand 2002 in den Vereinigten Staaten statt. Er besuchte die Bruderschaft in den Vereinigten Staaten, während ich in meinem Auslandsjahr war. Der verstorbene Howard Caulkins, ein weiterer lieber Freund, schlug mir vor, dass er mich zur Mepkin Abbey bringen würde, wenn ich mit ihm zur Landversammlung nach Minnesota gehen würde, wo ich mein Auslandsjahr als Klostergast verbringen würde. Tatsächlich reisten wir zusammen und dort traf ich Mariano wieder. Wir verbinden uns sehr leicht von Seele zu Seele auf eine zutiefst persönliche und intime Weise. Ich teilte mit ihm meine Krise mit der Kirche, mit meinen persönlichen Dämonen und mit Gott und ich habe mich noch nie so zugehört gefühlt. Er umarmte mich nur fest wie ein älterer Bruder, der einen jüngeren Bruder tröstet, mit Tränen in den Augen und fühlte meinen Schmerz. Dann lächelte er mich mit diesen ruhigen Worten an: “Alles wird gut.” Wir trennten uns von dem Versprechen, einander im Gebet präsent zu halten, ich für die Abtei und er für Tammanraset.

Mein letztes Treffen mit ihm war letztes Jahr in Cebu während der Generalversammlung. Mit 88 Jahren war das Reisen um den Globus schwer für ihn. Er wurde zweimal ins Krankenhaus eingeliefert und beide Male war ich bei ihm. Seine Weisheit rief mich dazu auf, aus dem Grab meiner Ansprüche herauszukommen und persönliche Erlebnisse miteinander auszutauschen. Wir verbinden uns leicht wieder, Bruder zu Bruder, und bewerten jede unserer Geschichten in der Notaufnahme (wo er 5 Stunden verbracht hat) und dann in seinem Zimmer (dem er vehement widerstand, weil er mit armen Leuten im Gemeinschaftsraum sein wollte ). Dann flüsterte er mir mit einem Lächeln im Gesicht zu: “Die Versammlung ist vorbei und ich könnte jetzt nach Hause gehen.” Ich kam in dieser Nacht nach Hause, sehr demütig, aber sehr bereichert durch diesen bewegenden Austausch, unseren Rückblick auf das Leben, der für Mariano das Herzstück jeder Versammlung von Brüdern ist.

Lassen Sie mich auch einige Zeilen teilen, die mir Fernando Tapia über Mariano schrieb: „Mariano war ein leidenschaftlicher Sucher Gottes und ein Jünger von Jesus von Nazareth. Seine Begegnung mit ihm durch die Armen in einer Müllkippe veränderte sein Leben für immer. Er verließ alles und betrat das Seminar. Hier fand er Charles de Foucauld und folgte seiner Spiritualität bis zum Ende seines Lebens. Er war geistlicher Vater und Ausbilder am Seminar von Santiago. Später wurde er mehr als 30 Jahre lang Arbeitspriester und teilte das Leben der Armen. Er lebte immer unter ihnen. Er war ihr Pastor, ihr Verteidiger während der Zeit der Militärdiktatur von Pinochet. Er war sieben Mal im Gefängnis. Er förderte eine Kirche, die den Armen verpflichtet war. Er predigte viele Exerzitien in Chile und außerhalb Chiles. Er war ein Mann des Gebets, glücklich, nah an allen, ein Freund von Gläubigen und Ungläubigen, ein Missionar am Rande der chilenischen Gesellschaft, der in die Fußstapfen von Bruder Charles trat. Sein Leitbild war das Evangelium, das er mit seinem eigenen Leben herausschreien wollte. “

Mariano, Bruder, Freund, vielen Dank. Vielen Dank für dein verrücktes Zeugnis eines verrückten Gottes in Jesus von Nazareth. Ich teile die Dankbarkeit und Trauer der Armen von Santiago, die du mit deinem Zeugnis berührt hast. Möge Jesus, der gute Hirte, dich für immer in deinem neuen Zuhause empfangen, das er für diejenigen vorbereitet, die treu sind.

Brüder, ich bete mit Mariano, dass wir bei unseren Treffen und Versammlungen weiterhin das Risiko eingehen, unsere Armut und Verletzlichkeit miteinander zu teilen. Es ist unsere Armut, die uns verbindet, qualifiziert und uns als Brüder in der Brüderlichkeit befreit. Es ist auch das Sprungbrett für unsere Mission unter den Armen, wie wir in Cebu sagten. Lasst uns auch unsere bescheidene, aber feste Entschlossenheit sein, das Missionsleben Jesu von Nazareth mit den Armen zu teilen und in die Fußstapfen von Bruder Charles zu treten.

Mit meiner brüderlichen Umarmung,
Eric LOZADA

(Übersetzung von Ursula CRAMER)

PDF: Brief von Eric. Unser Bruder Mariano PUGA, deut

Brief der Generalverantwortlichen an alle Brüder in der gesantem Welt. 1 Januar 2020

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„Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt…“ (Jesaja 9,5)

Geliebte Brüder!

Es tut mir leid, dass dieser Weihnachtsbrief bei Euch erst als Neujahrsgruß ankommt. Momentan habe ich so manche heikle Dienstpflicht zu erfüllen, so dass ich mein Gleichgewicht verliere. Wenn man mit dem Bösen und all seinen Schattierungen ringt, die Menschen, Beziehungen und Institutionen wie der Kirche Schaden zufügen, dann habe ich immer wieder gekämpft, mich in die Hände eines liebenden Gottes fallen zu lassen mit der Bitte um Erleuchtung, inneren Frieden und Liebe. Indes, bisweilen fühle ich mich traurig, wütend und hilflos. Und so melde ich mich, mit der Gnade Gottes, hier – besser spät als überhaupt nicht. Erlaubt mir, daß ich Euch mit Grüßen der Freude in Euren örtlichen Bruderschaften oder auf Bistums-, Länder- oder Kontinentenebene umarme. Auch wenn ich viele von Euch noch nicht vom Ansehen her kenne, bin ich doch beharrlich darin, den Namen eines jeden von Euch vor dem geliebten Herrn zu flüstern. (Dank unserem Direktorium, allerdings bedürfte es einer Aktualisierung).

Letztes Jahr durfte ich Brüder aus Haiti, der Dominikanischen Republik, dem Südosten der Vereinigten Statten, Südkorea und Myanmar treffen. Besonders das Treffen der Gesellschaft der Geistigen Familie Charles de Foucauld im letzten April hat mein Wissen um die Spiritualität und Tradition grundgelegt und erweitert. Herzlichen Dank an die Schwestern und Brüder für ihre Gastfreundschaft, brüderlichen Austausch und demütiges Zeugnis.

Gerne möchte ich mit der ersten Frage, die Jahwe Adam in der Genesis stellte, beginnen: Wo bist du? Ich stelle diese Frage regelmäßig, einfach nur, um herauszufinden, wie geerdet ich mit meiner Realität bin. Realität ist nicht wirklich meine eigene Sache, sondern es ist die Realität Gottes in mir und in der Welt und wie frei oder unfrei ich darin bin, auf sie zu reagieren. Adam war unfrei, hatte angesichts seiner Nacktheit Angst und versteckte sie angesichts seiner Sünde vor Gott. Ohne es zu wissen, arbeitete er an einer Verzerrung, die ihn von Gott und von der Wahrheit entfremdete. Von Adam aus kam eine im Ganzen „gebrochene“ Menschheit hervor. Und doch – der Prophet Jesaja sah das Kommen eines neuen Adam voraus: „Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des HERRN ruht auf ihm…“ (Jes 11,1). Aus den Wurzeln des gefällten Baumes wird eine neue Menschheit geboren – eine Menschheit, die nicht vom Bösen als Geisel genommen, sondern „vergöttlicht“ und in den Zustand der ursprünglichen Güte wiederhergestellt wird . Der Riss ist immer noch da, nicht mehr als Blockade, aber als Öffnung, um die Gnade Gottes nach innen fließen zu lassen. Und so beten wir: „Oh Gott… gib, daß wir Anteil erhalten an der Göttlichkeit Christi, der selber in Demut unsere Menschennatur angenommen hat.“ (Eröffnungsgebet zu Weihnachten).

In seinem Apostolischen Schreiben Admirabilis Signum hat Papst Franziskus uns dazu ermuntert, uns noch einmal die Krippe anzuschauen. Das „höchst wunderbare Zeichen“ ist, dass sich Gott in der Gestalt eines demütigen Kindes in die Hände einer gebrochenen Menschheit begab. Während der Großteil der Menschheit nicht bereit war, waren die Hirten, Tiere und die Krippe bereit. Sie stehen für die Menschheit, die Gott in niedrigster Armut, Gebrochenheit, Unvollkommenheit und Schmutz empfangen. Durch diese radikale Tat der Selbst-Gabe werden wir das, was wir empfangen. Dies ist eine durch und durch göttliche Initiative. Die „Krippe“ unserer Herzen, die durch das Böse in all seinen Formen verhärtet und hin- und hergeworfen ist; das vor Gott hingehaltene Böse – sowohl strukturell als auch personell – wird ein geringer und doch prophetischer Raum für Begegnung, Dialog, Heilung und Gastfreundschaft mit den vielen verborgenen Gesichtern des „Immanuel heute“.

Gestattet mir, das Bild Bruder Charles‘ zu bemühen mit seinem wilden Leben, ausschweifender Lebensführung, rastloser Energie, seinen leidenschaftlichen Briefen. Er bemühte sich sein gesamtes Leben lang, sich selbst in dem Geheimnis der Fleichschwerdung festzumachen. „Herr, falls Du existierst, lass es mich wissen.“ Ein Ruf nach erfahrungsbezogener Erkenntnis Gottes! Er rang mit dem Mysterium. Und Gott führte ihn in seiner sanftmütigen und geduldigen Art hin zu einer befreiten Antwort auf die vergebende Liebe Gottes. „Da ich jetzt weiß, dass es einen Gott gibt, muß ich ihm mein ganzes Leben geben.“

Eine weitere Versenkung in die Mysterien ließ ihn diese Worte sagen: „Mein Weg besteht darin, immer den niedrigsten Platz zu suchen, so gering wie mein Meister zu sein, mit ihm Schritt für Schritt als gläubiger Jünger zu gehen. Mein Leben besteht darin, mit meinem Gott, der diesen Weg sein gesamtes Leben ging, zu leben, Gott, der mir schon von seiner Geburt an ein Beispiel gegeben hat.“ Jesus tat nichts anderes als hinunterzugehen, und dies bemerkte Bruder Charles ohne Unterlass. Die radikale Kleinheit Gottes bei der Fleischwerdung brachte Frucht zu einem Leben des vertieften Wachsens hinein in die radikale Niedrigkeit Gottes in Nazareth. Von Bethlehem nach Nazareth, dort wurden zwei zentrale und begründende Geheimnisse Gottes in Jesu Leben enthüllt, und wenn wir es recht verstehen, dann wird unser Leben, dann wird unsere Form der Sendung als Diözesanpriester und dann wird unsere Art der Weltsicht in den Fußstapfen von Bruder Charles verändert.

Darf ich Euch einladen, die komplexe Vielfalt unserer Bruderschaft vor Ort, in den Ländern, Regionen oder auf Weltebene vor dem Mysterium zu betrachten. Einige von Ihnen haben wir bereits in Cebu gesehen, aber man muss sie mit neuen Augen sehen und mit Enthusiasmus und Hoffnung darauf antworten. Der unprätentiöse und demütige Gott von Nazareths, könnte einige versteckte Einladungen in diesen Wirklichkeiten für uns bereithalten.

Im Apriltreffen von etwa 20 Mitgliedern haben wir erfahren, wie arm und doch voller Glauben Haiti ist. Unsere Kleinen Brüder und Schwestern der Inkarnation besitzen eine stark prophetische und konkrete Gegenwart im Leben der Haitianer, in Landwirtschaft, Erziehung, Projekten zum Lebensunterhalt, sozialen Diensten. Und doch bringt Korruption innerhalb des politischen Systems das Land in einen dunklen Tunnel von Armut, Ungewissheit und Unruhe. (Was diesen Moment betrifft: die Situation verschlimmert sich.) Die Brüder Jonas Cenor und Charles Louis Jean, ehemalige kleine Brüder der Inkarnation, gründeten 2015 die Bruderschaft mit drei Brüdern. Br. Fernando Tapia hat sie besucht und zum Pan-Amerika-Treffen 2017 eingeladen. Bei gelegentlichen Treffen von Br. Abraham Apolinario versuchen sie sich weiterhin regelmäßig zu besuchen. Nicht nur die Entfernung ist ein Problem, sondern mehr noch das politische Klima, welches Reisen gefährlich macht. Wohin lädt Gott uns ein?

Unsere Mitgliedschaft in der Association ist ein Geschenk. Voll Ehrfurcht sehe ich, wie Fr. Charles uns inspiriert hat mit so vielen Charismen und Missionsarbeit in der Kirche, und einige kommen noch dazu. Wir konnten nicht abseits stehen, welche Spannungen es auch geben mag, die diese Verschiedenheit mit sich bringt.

Aber diese Spannungen können Leben geben, wenn sie in der größeren Agenda des Königreichs gesehen werden. Wir sind alle eingeladen, immer wieder vom selben Geist zu trinken, so dass wir in Eintracht miteinander gehen können. Die Association fragt uns nach mehr Engagement hinsichtlich Korrespondenz und Teilnahme an den Treffen. Ich habe mit der französischen Sprache meine Probleme und habe daher Fr. Matthias Keil eingeladen, uns zu repräsentieren.

Die Bruderschaft in Santo Domingo und  Santiago ist sehr lebendig, altert jedoch. Pioniere dort sind der emeritierte Bischof Rafael Felipe, dessen Gegenwart und Lebenszeugnis für Klerus und Seminaristen des Bistums Beni gleichermaßen wie ein Leuchtturm sind. Er hat die Bruderschaft den Seminaristen nähergebracht und einer Reihe Priestern im Ruhestand über die Bruderschaft gepredigt. Br. Lorenzo, ein sehr dynamischer Priester einer kleinen Pfarrei, lebt in einer halbmonastischen Gemeinschaft von Priestern, Schwestern und Seminaristen.

Br. Angel Marcano stellt indes die noch unbeantwortete Frage, warum wir nach 30 Jahren nicht gewachsen sind. Wohin lädt uns Gott ein?

Ich durfte am 40. Jubiläum Br. Jerry Reagans in Toybee Island teilnehmen. Es war eine Ehre für mich. Sein Pastorat ist ein Haus der Bruderschaft, wohin Priester auch über Nacht kommen können. Um Brüder – inkl. Fr. Peter Clarke, der schon 91 ist –  zu treffen, fährt er zwei Stunden jeden Monat. Sie beginnen mit Anbetung, betrachten das Leben und schließen mit einer Agape. Ihre Treffen sind regelmäßig und innig, und wenn einer die Bruderschaft verlässt, hinterlässt es die anderen fragil. Ohne ein neues Mitglied ist die Bruderschaft noch verletzlicher.

Die Südkorea-Bruderschaft ist jung und lebendig. Br. Paul, der seit einiger Zeit in Tamanrasset lebt, gründete sie 1994 mit Br. Philip Yoon, und es finden sich meistens junge Geistliche dazu. Das Christentum in Südkorea ist einzigartig, da es auf dem Blute tausender Märtyrer, die fast alle Laien sind, gegründet ist. Die Brüder steuern eigenes Geld bei, um ein Haus für die monatlichen Treffen zu errichten. Wie so viele, plagen sie sich mit „Wüstentag“, Betrachtung des Lebens und der englischen Sprache.

Als ich die Brüder Eugene und Matthew in Myanmar sah, erkannte ich ihr asketisches Angesicht. Die Mehrheitsreligion des Buddhismus (erkennbar an Pagoden und Schlappen statt Schuhen) zeitigt ein einfaches Leben. Als ich einen nicht-JC-Priester nach seinem Bild von der Bruderschaft fragte, verstörte mich seine Antwort: „Ich kann mit der Antwort nicht ehrlich sein vor Dir.“ Was ist das zugrundeliegende Gesicht der Bruderschaft? Wozu lädt Gott uns ein?

Die Brüder allerdings mühen sich ab, regelmäßige Zeiten für ihre Treffen, den Wüstentag und Lebensbetrachtung zu finden.

Der Präfekt der Kleruskongregation in Rom, Benjamin Kardinal Stella, hat mir einen Brief über Fr. Aurelio geschickt, in dem er seine tiefe Verbundenheit mit uns ausdrückte und wünscht, dass wir „von neuem und mit Freude unsere Mission gemäß der Leitlinien“ des Hl. Vaters leben. Er buchstabierte dabei einige konkrete Herausforderungen: Wir mögen den Nazarethmonat ernstnehmen. Unsere Sorgsamkeit betreff des geistlichen Wachstums ad intra ist eine notwendige Voraussetzung für eine authentische Mission ad extra; unser Gehen an die Ränder möge durch unsere fortdauernde Bekehrung begleitet werden, um Frucht zu bringen. Das internationale Team hat ein Treffen mit dem Kardinal im Juli dieses Jahres vereinbart.

Bei unserem Teamtreffen letzten Oktober haben wir Brüder des internationalen Teams einen wichtigen Weg, den es zu gehen gilt, beschlossen. Wir bilden ein Team von reisenden Priestern aus, die die Bruderschaftswoche (nach dem Modell von Brasilien) den Theologie-Seminaristen des vierten Jahrs und jungen Priestern bekanntmachen wie auch Priestern, die sie als jährliche Auszeit nutzen können. Wir müssen den örtlichen Ordinarien schreiben und wir probieren dieses Experiment zunächst in Asien aus.

Am Schluss sage ich meinen Dank für die finanzielle Kompetenz und harte Arbeit unseren beiden „Matthiassen“ – Br. Matthias Keil aus Österreich, unserem Schatzmeister, und Br. Matthias Fobbe aus Deutschland, unserem Finanzberater.  Wir haben nun ein neues Bankkonto unter der Vollmacht von Br. Matthias Keil und mir selber.

Pax-Bank; Deutschland / Germany
Empfänger /Beneficary: Priestergemeinschaft Jesus Caritas international
IBAN: DE 8437 0601 9300 1176 8008
BIC/SWIFT: GENODED1PAX

Was unsere Finanzen angeht, so hat das Team beschlossen, dass hilfsbedürftige Brüder, um an monatlichen Treffen oder an Treffen im Ausland teilzunehmen, zunächst vor Ort zu unterstützen sind. Der internationale Fonds springt nur nach gebührender Rücksprache und Beratung mit den für den jeweiligen Kontinentalverantwortlichen ein. Dies dient dem Ziel, einer Subkultur des Anspruchsdenkens und dem Missbrauch der Bruderschaft als „Ticket für einen Auslandstrip“ ein Ende zu machen.

Brüder, Weihnachten bietet uns die Gelegenheit zu gebären. Wir schreiten auf das neue Jahr zu, indem wir zum Vater, der uns Jesus schenkte, zurückblicken. Wir müssen die Einfachheit unseres Lebens gebären, die Freude am Dasein, Demut, liebevolles Mitleid mit den Armen. Seite an Seite, gemeinsam als Brüder und Freunde, gehen wir durch Vertrauen und Glauben, nicht durch Sehen, in unsere weitergehende Verklärung hinein in das Leben Jesu und Dienst – inspiriert von Bruder Charles und für unsere Leben -spendende Mission mit Gottes geliebtem Volk.

Schließt mich in Euer Gebet ein, mich, den schwachen verantwortlichen Bruder.

Mit brüderlicher Umarmung
Eric Lozada

PDF: Eric dt Weihnachtsbrief

Stimme der Stimmlosen – Nachruf auf Mariano PUGA

Mariano Puga bei einem Fernsehauftritt 2014 (Foto: TVN via Flickr (CC BY-NC-ND 2.0))

(Berlin, 17. März 2020, npla).- „Mariano, Chiles Priester ist auferstanden!” heißt es in der Pressemitteilung der Gemeinde La Minga vom 14. März 2020. Er, der „sein Leben der armen und unterdrückten Bevölkerung widmete“, sei nun auf direktem Weg um Christi zu treffen. Ein Geistlicher und Menschenrechtler wie Mariano Puga Concha stirbt nicht einfach. Jenseits aller Gretchenfragen lebt der Arbeiterpriester weiter – in der Erinnerung und den Herzen vieler.

Arbeiterpriester, so bezeichnete sich Puga am liebsten. Dabei ist ihm bei seiner Geburt 1931 eigentlich ein arbeitsfernes, privilegiertes Leben in die Wiege gelegt worden. Als Nachfahre des letzten spanischen Gouverneurs von Chile, Sohn eines Senators und einer schwer reichen Winzertochter folgt seine Ausbildung an der Militärschule und Studien an der Katholischen Universität zunächst dem Protokoll der konservativen Eliten. Ein strenggläubiger Verwandter habe ihn dann irgendwann gefragt: „Warum lässt du dich nicht bekehren Junge?“, erinnert sich Puga in einem Zeitzeugeninterview. „Und ich fragte: ‚Was muss ich dafür tun?‘ Darauf er: ‚Das Evangelium lesen und es ernst nehmen.‘“ So geht Puga als Seminarist nach Frankreich und wird 1959 in der Bretagne zum Priester geweiht.

Puga hängt den Altar mit Betttüchern ab und predigt auf Spanisch

Die Katholische Kirche sucht in dieser Zeit nach einem Weg sich zu erneuern, denn ihr politischer Einfluss schwindet und auf drängende soziale Fragen gibt das lateinische Gemurmel von der Kanzel kaum Antworten. Die Arbeiterbewegung erhält damals in Lateinamerika starken Zulauf, die Kubanische Revolution verspricht das Paradies auf Erden. Noch in Paris beschäftigt sich Puga intensiv mit der Frage, wie die verstaubten Gottesdienste wieder sinnstiftender für die Gläubigen werden könnten und setzt seine Ideen in Chile schnell in die Praxis um. In der Pfarrkirche der Katholischen Universität von Santiago beginnt er vor jeder Messe den Altar mit Betttüchern abzuhängen und predigt auf Spanisch. Kardenal Raul Silva Henríquez bestellt Puga wegen Verstößen gegen die damals gültige (und erst 1962 refomierte) Liturgie ein, aber als er hört, dass über 600 Menschen zu seinen Gottesdiensten kommen, ermutigt er Puga weiterzumachen.

Die anfängliche Unterstützung endet abrupt, als Puga bei einem erneuten Frankreichaufenthalt eine Messe zu Ehren der 1970 gewählten chilenischen Regierung abhält. Vor dem versammelten diplomatischen Corps preist der den Weg zum Sozialismus: „In Chile werden die Hungrigen nicht länger ausgeschlossen, denn die neue Regierung will eine Regierung für die Ausgeschlossenen sein. Was werden die kapitalistischen Regierungen [anderer Länder] dazu sagen?“ Damit besiegelt er sein Karriereende: „Kardinal Silva enthob mich all meiner Ämter im Seminar. Es war vorbei.“

Gründung der „Christen für den Sozialismus“

Um so eifriger wirkt Puga nun an der Basis als selbsternannter Arbeiterpriester. Zunächst lebt und predigt in den Bergbausiedlungen rings um die Kupfermine Chuquicamata, später wirkt er in den Armensiedlungen und urbanen Landbesetzungen Santiagos. Die Kirchenoberen sehen dieses politisch-theologische Experiment mit Misstrauen, denn Puga ist längst nicht der einzige. 1971 beschließen 80 Geistliche auf einem Treffen, sich als Christen aktiv am Aufbau des Sozialismus zu beteiligen. Gemeinsam beginnen sie unter dem Einfluss von Befreiungstheologen wie dem Argentinier Hugo Assmann gleichermaßen die Dogmen klerikaler Antimarxisten und antiklerikaler Revolutionäre zu kritisieren.

Die Presse tauft die engagierten Geistlichen bald „Christen für den Sozialismus“ und als solche unterhalten sie bis zum Mulitärputsch 1973 ein eigenes Büro in Chile. Sie wirken mit Veröffentlichungen in die öffentliche Debatte, versuchen sich als Vermittler zwischen linken Parteien und konservativen Christdemokraten und entwickeln mit der „Götzenkritik“ eine eigene Lesart der marxistischen Fetischtheorie. Puga interessiert jedoch vor allem die gelebt Praxis des Evangeliums, das immer bei den Ärmsten der Gesellschaft beginnen müsse. So mischt er sich politisch ein, hält jedoch Distanz zu den sozialistischen Propheten dieser Tage: „Ich glaubte an die Kubanische Revolution. Aber ich war nie ein Fan von Fidel Castro“, erinnert sich Puga im Januar 2020 im Interview. „Ich habe Allende gelesen, ich bewunderte ihn für seine Beharrlichkeit, für die Stärke seiner Überzeugungen, aber ich war auch ein wenig kritisch gegenüber der Art und Weise, wie er seine sozialistische Erfahrung lebte. Was mich begeisterte, war, wie die Bevölkerung auf die Idee des Sozialismus reagierte, was die Menschen schufen und organisierten. Wie sie dieses System, dass Millionen von der Geschichte unseres Landes ausschloss, stürzten.“

Puga als Kritiker – auch in Zeiten der Diktatur

Doch mit dem Militärputsch am 11. September 1973 endet der Erneuerungsprozess der chilenischen Kirche abrupt. Die „Christen für den Sozialismus“ werden von Kardinal Silva – später ein aktiver Kritiker der Diktatur – für vogelfrei erklärt. Priester werden verfolgt, gefoltert, die Ausländer unter ihnen abgeschoben. Puga setzt seine Arbeit in den Vierteln La Legua und Villa Francia fort, organisiert sich mit anderen Priestern in den Armensiedlungen, um Verfolgte zu verstecken. Er ist aktiv im Komitee Pro Paz und der daraus hervorgehenden Vicaria de la Solidaridad, einer katholischen Organisation, die Opfer der militärisch-zivilen Diktatur und ihre Angehörigen unterstützt.

Auch in den finstersten Tagen der Diktatur scheut Puga nicht vor öffentlicher Kritik zurück. Auf Einladung eines befreundeten Priesters spricht er einmal während des Gottesdienst in „der Kirche der Reichen“, wie Puga die Iglesia Santo Toribio im gut situierten Stadtteil Las Condes stets nannte. Er beginnt seine Rede mit den Worten „Der gute Hirte gibt das Leben für die Herde, der schlechte rennt los, wenn er den Wolf kommen sieht.“ Viel weiter kommt er nicht, ein Tumult bricht aus. Puga wird ins Folterzentrum Villa Grimaldi verschleppt. Wieder auf freiem Fuß arbeitet er unbeirrt weiter mit seiner Gemeinde La Minga.

Andenken an Mariano Puga

Nach seinem Tod am 14. März 2020 wird an Puga von Alicia Lira, Sprecherin des Angehörigenbündnis von Opfern der Diktatur, als „Stimme der Stimmlosen” gewürdigt. Auch viele Bewohner*innen und Gemeindemitglieder ehren öffentlich sein Engagement für Gerechtigkeit und seine Kritik an den herrschenden Umständen. In der chilenischen Presse wird jedoch kaum an diesen politischen Puga erinnert, die bürgerliche Zeitung La Tercera bemüht lieber Metaphern wie „Seelenmaurer“ oder „Apostel der Gewaltlosigkeit“. Dabei war Mariano Pugo bis zuletzt ein kompromissloser Fürsprecher der aktuellen sozialen Proteste. Im Oktober schreibt er in einem offenen Brief in der chilenischen Wochenzeitung The Clinic: „Wir sind eine Diktatur und Gefangene von Pinochet, Gefangene unserer selbst, unserer eigenen Gefängnisse, unseres eigenen Hasses. […] Diese Menschen haben das Recht, alles zu zerstören, weil ihnen alles zerstört wurde.“

So gedenkt seine Gemeinde La Minga im Stadtteil Villa Francia am 15. März dem Abschied Mariano Pugas nicht mit Blick auf die vergangenen Kämpfe, sondern feiert ihn mit einer „offenen Umarmung der Revolution”.

Das vollständige Zeitzeugeninterview, das Allendes Internationale mit Mariana Pugo im Januar 2020 führte, findet ihr unter: https://vimeo.com/395290715 (mit deutschen Untertiteln)

PDF: Stimme der Stimmlosen – Nachruf auf Mariano Puga