Cebu, Berich eines Teilnehmers. Matthias KEIL

Teil 1 Di, 15.1. – So, 20.1.2019

Am Dienstag, 15. Jänner ging es in der Früh für Johannes aus Kärnten und mich von Hongkong aus, wo wir von Österreich kommend zwischengelandet waren und 3 erlebnisreiche Tage verbringen konnten, in einem 3-stündigen Flug nach Cebu auf den Philippinen weiter. In Cebu wurden wir am Flugplatz bereits von unseren philippinischen Mitbrüdern erwartet und zu unserem Quartier, dem „Talavera House“ gebracht. Es ist ein Exerzitienhaus, das am Stadtrand auf einem Berghang liegt und von wo aus man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt Cebu hat. Die Temperaturen sind für unsere Verhältnisse natürlich sehr warm (26°), auch ist es recht schwül, aber das Haus ist gut klimatisiert.

Am Mittwoch, 16.1., haben wir mit unserer Arbeit begonnen, das heißt, dass es zunächst einen Bericht von jedem Kontinent gibt – sehr interessant. Auch der Erzbischof hat uns bereits besucht und uns einen Überblick über die Geschichte der Philippinen und des kirchlichen Lebens gegeben. Ein Land vieler Inseln, Sprachen und Kulturen mit etwa 100 Mio Einwohnern, das 1521 von Ferdinand Magellan bei seiner abenteuerlichen Weltumsegelung entdeckt wurde und von da an das Christentum angenommen hat. Nur der Süden des Landes ist muslimisch geblieben.

Bei unserer Tagung sind wir 43 Priester aus 20 verschiedenen Ländern. Bezeichnenderweise sind einige Mitbrüder aus Afrika nicht gekommen. Sie mussten zu lange auf ihr Visum warten – und dann waren die Flüge zu teuer.

Moskitos gibt es glücklicherweise fast keine, das Essen ist überaus reichhaltig und gut, die Menschen sind durchschnittlich sehr klein, weswegen die WCs wie in einer Volksschule ausschauen, manchmal überkommt mich die Müdigkeit, der Adapter (elektrische Stecker) hat schon mehrfach gute Dienste geleistet, mit meinen engl. und franz. Kenntnissen kann ich den Menschenmassen beim Fest Santo Nino meisten Dingen hier recht gut folgen, ….

Gestern und heute war in Cebu der Bär los! Am 3. Sonntag im Jänner, und das ist gerade jetzt, wird nämlich das Fest „Santo Nino“, „das heilige Kind“ (Jesuskind) gefeiert. Angeblich sind da 1,5 – 3 Mio! Leute unterwegs.

Wir haben aus diesem Grund eine hl. Messe am Vorplatz der Basilika „Santo Nino“ mitgefeiert, ich hab tatsächlich noch nie so viele und v.a. so viele junge Leute gesehen. Ein faszinierendes und gleichzeitig auch ein wenig beängstigendes Getümmel nicht nur bei der Messe, sondern in der ganzen Stadt. Überall Menschen, Menschen, Menschen.

Nach einer hier üblichen Tradition hat der Bischof nach dem Segen mit einer Statue des Jesuskindes getanzt und alle Priester durften das dann auch kurz tun. Ein riesiges Spektakel mit lauter Musik, ausgelassener und gleichzeitig auch andächtiger Stimmung mit zigtausend Leuten. Ich habe so etwas noch nie miterlebt.

Heute, am Sonntag waren wir wieder mit unseren Kleinbussen unterwegs bei flüssigem, aber unglaublichem Verkehr durch Stadtteile, die es bei uns so nicht gibt und über Landstraßen, die gesäumt waren von Häusern und Hütten und Straßenverkaufsständen. 2 ½ Stunden sind wir so gefahren, dann kamen wir in eine Pfarre, in der das Pfarrfest zum hl. Sebastian gefeiert wurde.

Nach der Messe wurden wir großzügigst verpflegt, und dann wohnten wir einem Fest mit den verschiedensten Tanzdarbietungen von Gruppen bei, alles äußerst bunt und lebendig.
Wieder zurück in unserem Haus waren die meisten von uns wohl berauscht von der Fülle an Eindrücken und recht froh, einen ruhigen und freien Abend zu haben.

Die ersten Tage unseres Abenteuers liegen nun hinter uns. Wir sind froh und dankbar, dass alles so gut gelaufen ist und sehen mit Neugier dem entgegen, was in den nächsten Tagen noch alles kommen wird.

Teil 2 Mo, 20.1. – Mi, 30.1.2019

In der zweiten Woche unseres Treffens hatten wir 4 „indoor“ und 3 „outdoor“ Tage. Normalerweise werden die Tage durch Gebets- und Essenszeiten strukturiert. Das Essen ist schon ab dem Frühstück äußerst reichhaltig, es gibt stets ein Buffet zur Selbstbedienung. Zu Mittag und am Abend gibt es jeden Tag Suppe, Fleisch, Fisch, Reis, Gemüse und Früchte.

3 x täglich treffen wir uns zum Gebet, beginnend um 7.30 mit den Laudes in Sprachgruppen. Johannes verstärkt die englische Gruppe, ich habe mich dem französisch sprechenden Teil unserer Gemeinschaft angeschlossen und freue mich in der Früh immer über die schönen Psalmmelodien, die die Franzosen so gut beherrschen. Eine Stunde vor dem Mittagessen ist eucharistische Anbetung, und am Abend um 19 Uhr feiern wir miteinander die hl. Messe, bei der Teile des Gottesdienstes auf die verschiedenen Sprachen aufgeteilt sind. Diese Tagesstruktur ist insgesamt sehr hilfreich und stabilisierend und gibt unserem Zusammensein auch die nötige geistliche Atmosphäre.

Bei unseren Besprechungen haben wir zunächst viel zugehört. Da waren zuerst die Berichte der Kontinentalverantwortlichen zu den Fragen, wie das gesellschaftliche Klima bzw. wie Papst Franziskus unseren Dienst als Priester beeinflussen und prägen. Dann wurde von allen anwesenden Nationalverantwortlichen ein Bericht über das Leben der Priestergemeinschaft in ihrem jeweiligen Land gegeben, einige statistische Zahlen, v.a. aber die Erfahrungen mit Anbetung, Wüstentag, Nazarethmonat und Leben mit den Armen. 20 Länder, das war eine ziemlich ausführliche „tour d’horizon“! Was die Kontinente betrifft, so war ich doch recht erstaunt, dass in Afrika die Frage der Kommunikation und auch des Reisens so schwierig ist. Von einem afrikanischen Land in ein anderes zu gelangen, ist oft schwieriger, als nach Europa zu reisen. Die Kirche in Amerika ist mit voller Wucht von den Skandalen des Missbrauches sexueller Gewalt betroffen und hat sehr viel an Glaubwürdigkeit und Vitalität verloren, sie schrumpft. Europa wird alt und leidet an einem extremen Mangel an Berufungen. Einzig Asien scheint – sicherlich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten – am aufsteigenden Ast zu sein und Aufwind zu haben. Papst Franziskus hat zum Erstaunen vieler einmal gesagt, dass die Zukunft der Kirche in Asien liege.

Nach diesen vielen Berichten wurde versucht, eine kurze Zusammenfassung zu erstellen und Prioritäten herauszufiltern, was naturgemäß sehr schwierig war. Zwei Punkte, die mir nicht neu, aber vielleicht neu wichtig geworden sind, waren: In einer immer vielfältiger werdenden Welt ist der Dialog eine unumgängliche Notwendigkeit für ein friedliches Zusammenleben. Von daher auch die Aufforderung an uns, Möglichkeiten des Dialoges in alle Richtungen zu fördern und zu initiieren. Dann eine alte, aber letztlich nie abgegriffene Priorität: « Une priorité est d’annoncer le Christ ressuscité par sa vie. » Eine Priorität ist es, den Auferstandenen durch sein Leben zu bezeugen.“ Hinzuzufügen wäre vielleicht noch, dass für die afrikanischen Mitbrüder, bei denen der fundamentalistische Islamismus voranschreitet wie z.B. im Tschad, in Burkina Faso oder in Madagaskar, für den Dialog kaum ein Verständnis da ist. Ihre Erfahrung ist schlicht und einfach, dass mit „Dschihadisten“, die ihre Gesellschaften bedrohen und mit Gewalt zerstören, kein Dialog möglich ist.

Eine weitere Arbeit war, einen äußerst gut vorbereiteten Text über die Durchführung eines Nazarethmonates zu studieren und Ergänzungen einzuarbeiten. Insgesamt umfasste der Text 46 Seiten, wir haben uns mit den ersten 15 Seiten beschäftigt, zunächst in Sprachgruppen, dann im Plenum. Es war eine meines Erachtens äußerst gelungene Arbeit.

Schließlich stand die Wahl des neuen Generalverantwortlichen an, eine Sache, die sehr spannend war. Schlussendlich wurde Eric Lozada gewählt, ein 55-jähriger Priester von den Philippinen, er ist der erste Weltverantwortliche, der aus Asien kommt. Sowohl seine persönliche Vorstellung vor der Wahl als auch seine kurze Ansprache nach der Wahl waren für uns alle tief bewegend. Er scheint das Zeug für diese große und verantwortliche Aufgabe mitzubringen. Wir sind voller Hoffnung und voll Dankbarkeit.

Was die Tage auswärts anbelangt, so war ein Tag einer „organisierten Freizeit“ gewidmet, ein weiterer war unser „Wüstentag“ und der dritte war am Sonntag der Besuch in kleinen Gruppen in verschiedenen Pfarren. „Organisierte Freizeit“ bedeutete, zunächst mit unseren 2 Bussen die Gedenkstätte von Lapu-Lapu zu besuchen. Lapu-Lapu ist jener philippinische Häuptling, der im Jahr 1521 den spanischen Weltumsegler Maghellan im Kampf getötet hat. Dann ging es weiter zum Hafen, wo wir auf einem sehr wackeligen Steg zwei Boote bestiegen, um zu einer Insel zu fahren und dort zu baden und zu picknicken. Die Wassertemperatur entspricht hier etwa der Lufttemperatur von 28°. Abends gab es dann ein ziemlich spektakuläres Buffet, zu dem weitere philippinische Priester kamen. Mit Liedern und Tänzen aus aller Welt klang der Tag aus.

Wie bei solchen Treffen üblich, gab es auch einen Tag der Stille, einen Wüstentag, den jeder allein ohne irgendeine Lektüre oder Ablenkung und v.a. im Gebet verbringen sollte. 3 Orte wurden uns dafür vorgeschlagen, und ich ging mit jener Gruppe mit, die ihren Wüstentag im Areal des Klosters der Johannesschwestern verbringen konnte. Wir sind von unserem Quartier aus in einem etwa 40-minütigen Spaziergang zu Fuß hingegangen, was wieder ein echtes Eintauchen in die Welt von hier bedeutete. Das Kloster war für unseren Wüstentag ein wunderbarer Platz, am Stadtrand und somit recht still und auch mit einer großartigen Aussicht. Die Reflexion am Abend, über das, was den Einzelnen in dieser Zeit so alles gekommen ist, war für mich sehr spannend. Mein Beitrag, angeregt durch das, was ich an diesem Tag alles gesehen hatte war, dass es für eine gesunde Spiritualität eine Ausgewogenheit von 4 Bereichen braucht: Den Schrei der Armen nicht überhören, die Schönheit der Natur immer wieder genießen, dem Gebet einen Platz geben und die Freude wahrnehmen, die am Weg jedes Menschen zu finden ist. Beim zuletzt genannten Bereich hat mich das unbeschwerte und frohe Spielen der Kinder vor dem Kloster inspiriert.

Der dritte Tag mit einer Auswärts-erfahrung war schließlich der Sonntag, an dem wir in 9 Gruppen aufgeteilt wurden, um die Messe jeweils in einer Pfarre mitzufeiern und dort zum Mittagessen zu bleiben. Meine Gruppe wurde bei der Pfarrkirche „Maria von Guadeloupe“ abgesetzt, ein eindrucksvoller großer Kirchenbau vornehmlich in hellblau gehalten. Die eindringlichen Lautsprecher erinnerten mich allerdings sehr an das, was ich sonst mit Moscheen verbinde.

Die hl. Messe wurde in Englisch und „Cebuan“ gefeiert, auffallend waren wieder die vielen v.a. jungen Leute. Nach der dritten Messe wurde eine Gemeinschaftstaufe gefeiert. 25 Babys wurden zunächst von ihren Müttern in einer langen Reihe nach vorne gebracht, dann kamen die Väter und Paten hinzu. Solche Taufen sind hier das Normale, der Pfarrer erzählte uns, dass sie jeden Sonntag stattfinden, und von unseren Mitbrüdern erfuhren wir, dass sie dasselbe in den anderen 8 Pfarren erlebt hatten. Die Taufvorbereitung wird in einem Tagesseminar von Katechisten gemacht. Schließlich war dann noch eine Begräbnismesse mit insgesamt 3 Särgen bzw. Verstorbenen. Auch das ist hier so üblich.

Weiters fanden wir Zeit, die Straßen rund um die Kirche zu erkunden. Da gibt es so unendlich viel zu sehen und zu bestaunen, diesmal in besonderer Weise die vielen kleinen Geschäfte bzw. Straßenläden, wo man von Gemüse, Gewand, Fahrradreifen, Fisch und noch vielem mehr alles bekommen kann. Auch wird auf der Straße „ausgekocht“ und man kann dort essen, was wir allerdings unterlassen haben. Interessant war das Gespräch zu Mittag mit den 4 Priestern, die im Pfarrhof wohnten. Die Pfarre hat etwa 50 tausend Einwohner, eine große Kirche im Zentrum und 16 „Außenstellen“. In diesen Außenstellen gibt es jeweils einen „Laien-Chef“ mit seinem Team, der für das kirchliche Leben sorgt. Hin und wieder kommt ein Priester dorthin, v.a. um die Sakramente zu feiern. Die Hauptaufgabe dieser Teams besteht darin, kleine christliche Gemeinschaften zu stiften.

Wieder zurück in unserem Talavera Haus, konnten wir am Nachmittag etwas rasten. Abends wurde uns ein neuer Film aus Frankreich über das Leben von Charles de Foucauld gezeigt.
Nun bleiben noch zwei Tage, wohl um die Ergebnisse zu sammeln, und dann geht es wieder zurück nach Hause und in den Alltag.

Mo, 28.1.2019

Heute wurde der „Brief von Cebu“ vorgestellt und besprochen, eine Zusammenfassung dessen, was wir hier miteinander erlebt und erarbeitet haben. Dieser Brief soll an alle Mitbrüder in der Welt verschickt werden. Ebenso wurde ein kurzer Brief an Papst Franziskus besprochen.

Für mich war heute insofern ein besonderer Tag, als Eric, unser neu gewählter Generalverantwortlicher mich gebeten hat, im internationalen Team für die nächsten 6 Jahre mitzuarbeiten. Dieses Team ist so etwas wie ein „Rat“ auf Weltebene und besteht diesmal aus 5 Personen, 2 aus Asien, ein Afrikaner, ein S-Amerikaner und ich als Vertreter von Europa. Die Frage um meine Person stand schon seit längerem im Raum und so hatte ich Zeit, darüber nachzudenken und auch zu beten. Mit einem gewissen Zittern habe ich schließlich zugesagt. Was dies ganz konkret bedeuten wird, ist noch nicht wirklich klar, in jedem Fall wird es Honoré SAVADOGO (Burkina Faso), Eric LOZADA, (Phlippinen), eine gewisse „Reisetätigkeit“ mit sich Matthias KEIL (Österreich), Fernando TAPIA (Chile); bringen, da es üblich ist, dass sich nicht im Bild: Tony LLANES (Philippinen) dieses Team zumindest 1 Mal pro Jahr für mind. eine Woche bei einem der Mitglieder trifft. Weiters sollen Besuche bei verschiedenen Treffen auf der ganzen Welt gemacht werden. Ich hoffe, dass mich diese Aufgabe nicht überfordert, sondern dass ich mit Gottes Hilfe auch etwas in das internationale Team einbringen kann.

Die letzten beiden Tage waren mit Abschlussberichten, Zukunftsgesprächen und Einpacken bzw. Abschied-Nehmen ausgefüllt. Einen berührenden Gottesdienst feierten wir noch, bei dem das neue Team den übrigen Brüdern die Füße gewaschen hat.

Mit vielen Erlebnissen und Erfahrungen, mit einer echten Horizonterweiterung und hoffentlich auch Herzenserweiterung traten wir die Heimreise an und sind nun gut zu Hause angekommen. Möge die Intensität des Erlebten unseren Alltag befruchten und uns helfen, unseren Dienst als Diözesanpriester in der Nachfolge Jesu und inspiriert vom Charisma von Charles de Foucauld mit neuem Schwung zu tun.

Matthias Keil
Februar 2019

PDF: Cebu, Bericht eines Teilnehmers

Brief von Cebu, Januar 2019, Generalversammlung

hervorgehoben

Das Welttreffen der Priestergemeinschaft Jesus Caritas in Cebu / Philippinen vom 15. – 29. Januar 2019 haben wir als wunderbares Geschenk Gottes erlebt. Im «House of Prayer – Talavera» haben wir eine sehr schöne Erfahrung universeller Bruderschaft zum Thema: «Missionarischer Diözesanpriester inspiriert durch das Zeugnis von Bruder Karl» gemacht.

Der Priestergemeinschaft Jesus Caritas auf den Philippinen sind wir ebenso dankbar wie der Diözesankirche Cebus, durch deren Hirten, Erzbischof José PALMA wir großzügig empfangen worden sind. 42 Brüder waren aus Afrika, Amerika, Asien und Europa gekommen, ein jeder mit seiner je eigenen Sprache, Kultur, Geschichte, Erfahrung und seinem persönlichen Glaubenszeugnis. Die Zeit war eine wunderbare Verwirklichung des Pfingstgeistes.

Es war uns eine Freude, dem Volk Gottes von Cebu im Anschluss an die sonntägliche Eucharistiefeier begegnen zu können. Die Feiern von «Señor Santo Niño» in der Kathedrale von Cebu sowie «St. Sebastian» in Borbon haben uns entdecken lassen, wie das Volk Gottes dort seinen Glauben mit Enthusiasmus und großer Freude feiert.

Zwei Vorkommnisse während des Treffens haben uns einerseits erfreut und andererseits traurig gestimmt: in Ruanda die Entlassung unseres Bruders Denis SEKAMANA nach langer Gefangenschaft und das Attentat auf die Kathedrale von Jolo am 27. Januar, bei dem etwa 20 Menschen getötet und mehr als 80 verletzt wurden. Wir beten weiterhin für die Opfer und ein Voranschreiten auf Wegen des Friedens.

BETRACHTUNG DER REALITÄT

Das internationale Team hat unsere Arbeit während der Zusammenkunft durch einen methodologischen Dreischritt effizient koordiniert:

Betrachtung der Realität, Deutung derselben und hieraus erwachsendes Engagement. Begonnen haben wir mit dem Hören der Bereichte aus den Bruderschaften der jeweiligen Länder.

Gesellschaft

  • Der Wohlstand ist zunmehmend ungerecht verteilt. Reiche werden immer reicher, während die Armen im Elend verhaftet bleiben.
  • Die Armen kämpfen um die Verteidigung ihrer Rechte, sind aber erste Opfer jeglicher Gewalt und des Güterverkehrs aller Art, der aus dem Elend erwächst.
  • Die Schäden, die die Menschen ihrer Umwelt zufügen und die Ausbeutung der Ressourcen unseres Planeten haben eine ernsthafte Umweltkrise hervorgerufen, von der die Armen die ersten Opfer sind.
  • Die durch Gewalt und Unrecht ausgelösten Flüchtlingsbewegungen nehmen zu, während die reichen Länder ihre Grenzen schließen.
  • In einigen Ländern wird die Fähigkeit der Regierungen, diese sozialen Probleme zu lösen, angezweifelt; dies führt dazu, dass nationalistische und fremdenfeindliche Parteien [sich] an die Macht drängen.
  • In anderen Ländern haben extreme Gruppen die Gesellschaft gespaltet und im Herzen der Bevölkerung Angst und Misstrauen gesät.
  • Der Islam ist von Widersprüchen gespaltet; in einigen Ländern wachsen Fundamentalismus und Terrorismus. Christen und Muslime leiden darunter.
  • Zugleich gibt es eine wachsende Kreativität in den NGOs, um auf die bedrohte Verteidigung der Menschenrechte wie Migration, Ökologie, Solidarität mit den Armen und ein gelingendes Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen zu antworten.

Kirche

  • In einigen Ländern verringert sich die Anzahl der Christen, und Gleichgültigkeit gegenüber von Religion und Kirche wächst. Die Säkularisation und der Skandal des Mißbrauchs von Minderjährigen durch Priester und Bischöfte haben diese Situation verschlimmert.
  • Durch die Ermahnung in «Evangelii Gaudium» von Papst Franziskus sind Hoffnungszeichen zum Vorschein gekommen.
  • Diese Veröffentlichung führt die Kirche auf einen neuen missionarischen Weg, der den Erwartungen der Menschen mehr entspricht und dem Evangelium verpflichtet ist.
  • Dies erinnert uns daran, einfach und nahe bei den Armen zu leben sowie an die Ränder der Gesellschaft zu gehen.
  • Wir stellen ein wachsendes Aufkommen von Laien fest, die sich im Glauben stärker engagieren und die zu Evangelisierenden werden.
  • Wir öffnen uns zunehmend dem Dialog mit den Laien und auch mit Gläubigen anderer Konfessionen und Religionen.
  • Wir spüren die Notwendigkeit, pastorale Initiativen zu entwickeln, um kleine Basisgemeinschaften zu bilden, die auf der Grundlage des Evangeliums unter denen wachsen, die auf den Schattenseiten des Lebens auskommen müssen.

Bruderschaften

  • Die Mitglieder einiger Bruderschaften werden weniger und der Altersdurchschnitt steigt.
  • In zahlreichen Bruderschaften werden die Revision de vie und der Wüstentag nicht mehr praktiziert. Das ist eine Herausforderung, die wir abstellen müssen!
  • In den Ländern der Südhemisphäre wachsen die Bruderschaften.
  • Zwischen den Bruderschaften in Nord und Süd besteht eine gute Kommunikation.
  • Das brüderliche Leben wächst dank der monatlichen Treffen.
  • In den Bruderschaften wird die Eucharistische Anbetung nur teilweise gelebt.
  • Der Wille zur Nähe zu den Armen ist ein Schwerpunkt unseres Engagement.

KRITERIEN ZUR UNTERSCHEIDUNG

Tägliche Meditationen, Konferenzen und das Teilen von Erfahrungen haben uns dabei geholfen, die Unterscheidung aller betrachteten Realitäten zu vertiefen.

Emmanuel ASI und Honoré SAVADOGO haben uns geholfen, das jeweilige Tagesevangelium und Gedanken von Bruder Karl zu betrachten. Erster hat uns dazu eingeladen, Jesu Aufruf Einlass zu geben und unsere Herzen für die ausgegrenzten Brüdern und Schwestern zu öffnen, der andere dazu, Bruder Karls Fußstapfen zu gehen.

Die Beiträge von Mauricio da SILVA, Jean François BERJONNEAU und Manolo POZO OLLER haben uns auf die Wiederentdeckung der Grundlagen von Mission und missionarischer Spiritualität von Bruder Karl und Papst Franziskus mitgenommen. Dies war ein drängender Aufruf dazu, sich mit missionarischer Überzeugung zu verbünden, um eine «Kirche des Wandels» zu sein, die die Frohe Botschaft denen verkündet, die sich an den geographischen und existenziellen Rändern befinden. Nicht zuletzt haben sie uns auf einige Herausforderungen der Mission aufmerksam gemacht: Abbau unseres «gemeinsamen Hauses», Migration sowie Dialog mit den Muslimen.

Was Zeugnisse angeht, hat uns alle der Bericht von Mariano PUGA sehr motiviert, der uns an seinen pastoralen Erfahrungen im Engagement für die Armen und Unterdrückten hat teilnehmen lassen. Schließlich hat uns Fernando TAPIA ein von ihm, Jean-Michel BORTHEIRIE und Manolo POZO OLLER zum Nazarethmonat erarbeites Papier vorgestellt. Wir haben uns eingeladen gefühlt, wieder Zeit für diese wichtige Übung aus unserer Spiritualität zu finden, was dieser hervorragende Leitfaden vereinfacht.

Erspürte Anregungen

Mit Blick auf die skizzierte Situation und entsprechend des erarbeiteten Urteilsvermögens, haben wir folgende Anregungen für unsere Bruderschaften festgehalten:

IM HERZEN UNSERER GESELLSCHAFTEN

  • In unseren Ländern wollen wir die universale Bruderschaft, an die Bruder Karl uns erinnert, Wirklichkeit werden lassen, indem wir uns auf die Seite der Ärmsten stellen.
  • Wir wollen auf unseren Planeten achten, den Gott als Schöpfer uns anvertraut hat.
  • Wir wollen mit den Armen für mehr Gerechtigkeit kämpfen.
  • Wir wollen dass die Würde einer jeden Person geachtet wird und jeder genug Essen und Arbeit hat.

Im Dienst unserer Kirchen

Wir haben den Ruf gespürt :

  • Nach Kräften an der «missionarischen Transformation» mitzuwirken, zu der Papst Franziskus uns in «Evangelii Gaudium» aufruft.
  • Kleine geistliche Gemeinschaften rund um Gottes Wort zu bilden.
  • Das Zusammenwirken von Laien und Priestern zu stärken, um sich gemeinsam in der Mission zu engagieren und gegen Klerikalismus zu kämpfen.
  • Unseren Gemeinschaften zu helfen, an die «geographischen und existentiellen Ränder zu gehen».
  • Aus der Armut unserer Gemeinschaften einen Weg der Solidarität mit den Armen zu machen.
  • Mit denen kommunizieren zu lernen, die anders glauben und denken.
  • Zusammenwirken und -leben mit allen Gruppen die unsere Gesellschaft bilden.
  • Unsere Kirchen dazu einladen, Migranten so willkommen zu heißen als wären es Brüder oder Christus selbst.

In unseren Bruderschaften

Wir fühlen uns zur Umwandlung in der praktischen Anwendung der Mittel in der Bruderschaft aufgerufen:

  • Eine authentische «Revision de vie» als Sprungbrett zur Mission zu leben.
  • Eucharistische Anbetung und Wüstentage als notwendig zu respektieren, um Christus darin nachzufolgen, auf andere zuzugehen.
  • Den Nazarethmonat wieder zur wichtigen Etappe zu machen, um den eigenen Dienst immer wieder neu zu lesen und an den Weg Bruder Karls anzupassen.
  • Mittels der Homepage ‘iesuscaritas.org’ eine Beziehung zwischen den Bruderschaften verschiedener Kontinente aufzubauen.
  • Der jungen Generation die Spiritualität Bruder Karls bekannt zu machen.

Wahl des neuen internationalen Verantwortlichen

Wir danken Aurelio und seinem Team für die wertvolle Arbeit in den vergangenen sechs Jahren.

Wir haben Eric LOZADA von den Philippinen zum neuen internationalen Verantwortlichen gewählt. Es ist der erste Bruder aus Asien, der diese Verantwortung angenommen hat. Wir haben den Heiligen Geist auf ihn erfleht, damit seine Mission Frucht tragen möge. Er hat sein Arbeitsteam zusammengestellt, zu dem Fernando TAPIA, Honoré SAVADOGO, Matthias KEIL und Tony LLANES gehören.

Wir bauen auf unsere Brüder in dieser neuen Mannschaft, um uns zu helfen, «das Evangelium durch unser ganzes Leben herauszurufen» und unseren Bruderschaften neuen spirituellen und missionarischen Schwung zu geben, wozu uns Papst Franziskus ermutigt : «Der auferstandene und verherrlichte Christus ist die tiefe Quelle unserer Hoffnung, und wir werden nicht ohne seine Hilfe sein, um die Mission zu erfüllen die er uns anvertraut.» (Evangelii Gaudium 275)

Die verantwortlichen Brüder und Delegierten auf der Generalversammlung von Cebu,
Philippinen, Januar 2019

PDF: Brief von Cebu, Januar 2019, Generalversammlung, deut