Cebu, Berich eines Teilnehmers. Matthias KEIL

Teil 1 Di, 15.1. – So, 20.1.2019

Am Dienstag, 15. Jänner ging es in der Früh für Johannes aus Kärnten und mich von Hongkong aus, wo wir von Österreich kommend zwischengelandet waren und 3 erlebnisreiche Tage verbringen konnten, in einem 3-stündigen Flug nach Cebu auf den Philippinen weiter. In Cebu wurden wir am Flugplatz bereits von unseren philippinischen Mitbrüdern erwartet und zu unserem Quartier, dem „Talavera House“ gebracht. Es ist ein Exerzitienhaus, das am Stadtrand auf einem Berghang liegt und von wo aus man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt Cebu hat. Die Temperaturen sind für unsere Verhältnisse natürlich sehr warm (26°), auch ist es recht schwül, aber das Haus ist gut klimatisiert.

Am Mittwoch, 16.1., haben wir mit unserer Arbeit begonnen, das heißt, dass es zunächst einen Bericht von jedem Kontinent gibt – sehr interessant. Auch der Erzbischof hat uns bereits besucht und uns einen Überblick über die Geschichte der Philippinen und des kirchlichen Lebens gegeben. Ein Land vieler Inseln, Sprachen und Kulturen mit etwa 100 Mio Einwohnern, das 1521 von Ferdinand Magellan bei seiner abenteuerlichen Weltumsegelung entdeckt wurde und von da an das Christentum angenommen hat. Nur der Süden des Landes ist muslimisch geblieben.

Bei unserer Tagung sind wir 43 Priester aus 20 verschiedenen Ländern. Bezeichnenderweise sind einige Mitbrüder aus Afrika nicht gekommen. Sie mussten zu lange auf ihr Visum warten – und dann waren die Flüge zu teuer.

Moskitos gibt es glücklicherweise fast keine, das Essen ist überaus reichhaltig und gut, die Menschen sind durchschnittlich sehr klein, weswegen die WCs wie in einer Volksschule ausschauen, manchmal überkommt mich die Müdigkeit, der Adapter (elektrische Stecker) hat schon mehrfach gute Dienste geleistet, mit meinen engl. und franz. Kenntnissen kann ich den Menschenmassen beim Fest Santo Nino meisten Dingen hier recht gut folgen, ….

Gestern und heute war in Cebu der Bär los! Am 3. Sonntag im Jänner, und das ist gerade jetzt, wird nämlich das Fest „Santo Nino“, „das heilige Kind“ (Jesuskind) gefeiert. Angeblich sind da 1,5 – 3 Mio! Leute unterwegs.

Wir haben aus diesem Grund eine hl. Messe am Vorplatz der Basilika „Santo Nino“ mitgefeiert, ich hab tatsächlich noch nie so viele und v.a. so viele junge Leute gesehen. Ein faszinierendes und gleichzeitig auch ein wenig beängstigendes Getümmel nicht nur bei der Messe, sondern in der ganzen Stadt. Überall Menschen, Menschen, Menschen.

Nach einer hier üblichen Tradition hat der Bischof nach dem Segen mit einer Statue des Jesuskindes getanzt und alle Priester durften das dann auch kurz tun. Ein riesiges Spektakel mit lauter Musik, ausgelassener und gleichzeitig auch andächtiger Stimmung mit zigtausend Leuten. Ich habe so etwas noch nie miterlebt.

Heute, am Sonntag waren wir wieder mit unseren Kleinbussen unterwegs bei flüssigem, aber unglaublichem Verkehr durch Stadtteile, die es bei uns so nicht gibt und über Landstraßen, die gesäumt waren von Häusern und Hütten und Straßenverkaufsständen. 2 ½ Stunden sind wir so gefahren, dann kamen wir in eine Pfarre, in der das Pfarrfest zum hl. Sebastian gefeiert wurde.

Nach der Messe wurden wir großzügigst verpflegt, und dann wohnten wir einem Fest mit den verschiedensten Tanzdarbietungen von Gruppen bei, alles äußerst bunt und lebendig.
Wieder zurück in unserem Haus waren die meisten von uns wohl berauscht von der Fülle an Eindrücken und recht froh, einen ruhigen und freien Abend zu haben.

Die ersten Tage unseres Abenteuers liegen nun hinter uns. Wir sind froh und dankbar, dass alles so gut gelaufen ist und sehen mit Neugier dem entgegen, was in den nächsten Tagen noch alles kommen wird.

Teil 2 Mo, 20.1. – Mi, 30.1.2019

In der zweiten Woche unseres Treffens hatten wir 4 „indoor“ und 3 „outdoor“ Tage. Normalerweise werden die Tage durch Gebets- und Essenszeiten strukturiert. Das Essen ist schon ab dem Frühstück äußerst reichhaltig, es gibt stets ein Buffet zur Selbstbedienung. Zu Mittag und am Abend gibt es jeden Tag Suppe, Fleisch, Fisch, Reis, Gemüse und Früchte.

3 x täglich treffen wir uns zum Gebet, beginnend um 7.30 mit den Laudes in Sprachgruppen. Johannes verstärkt die englische Gruppe, ich habe mich dem französisch sprechenden Teil unserer Gemeinschaft angeschlossen und freue mich in der Früh immer über die schönen Psalmmelodien, die die Franzosen so gut beherrschen. Eine Stunde vor dem Mittagessen ist eucharistische Anbetung, und am Abend um 19 Uhr feiern wir miteinander die hl. Messe, bei der Teile des Gottesdienstes auf die verschiedenen Sprachen aufgeteilt sind. Diese Tagesstruktur ist insgesamt sehr hilfreich und stabilisierend und gibt unserem Zusammensein auch die nötige geistliche Atmosphäre.

Bei unseren Besprechungen haben wir zunächst viel zugehört. Da waren zuerst die Berichte der Kontinentalverantwortlichen zu den Fragen, wie das gesellschaftliche Klima bzw. wie Papst Franziskus unseren Dienst als Priester beeinflussen und prägen. Dann wurde von allen anwesenden Nationalverantwortlichen ein Bericht über das Leben der Priestergemeinschaft in ihrem jeweiligen Land gegeben, einige statistische Zahlen, v.a. aber die Erfahrungen mit Anbetung, Wüstentag, Nazarethmonat und Leben mit den Armen. 20 Länder, das war eine ziemlich ausführliche „tour d’horizon“! Was die Kontinente betrifft, so war ich doch recht erstaunt, dass in Afrika die Frage der Kommunikation und auch des Reisens so schwierig ist. Von einem afrikanischen Land in ein anderes zu gelangen, ist oft schwieriger, als nach Europa zu reisen. Die Kirche in Amerika ist mit voller Wucht von den Skandalen des Missbrauches sexueller Gewalt betroffen und hat sehr viel an Glaubwürdigkeit und Vitalität verloren, sie schrumpft. Europa wird alt und leidet an einem extremen Mangel an Berufungen. Einzig Asien scheint – sicherlich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten – am aufsteigenden Ast zu sein und Aufwind zu haben. Papst Franziskus hat zum Erstaunen vieler einmal gesagt, dass die Zukunft der Kirche in Asien liege.

Nach diesen vielen Berichten wurde versucht, eine kurze Zusammenfassung zu erstellen und Prioritäten herauszufiltern, was naturgemäß sehr schwierig war. Zwei Punkte, die mir nicht neu, aber vielleicht neu wichtig geworden sind, waren: In einer immer vielfältiger werdenden Welt ist der Dialog eine unumgängliche Notwendigkeit für ein friedliches Zusammenleben. Von daher auch die Aufforderung an uns, Möglichkeiten des Dialoges in alle Richtungen zu fördern und zu initiieren. Dann eine alte, aber letztlich nie abgegriffene Priorität: « Une priorité est d’annoncer le Christ ressuscité par sa vie. » Eine Priorität ist es, den Auferstandenen durch sein Leben zu bezeugen.“ Hinzuzufügen wäre vielleicht noch, dass für die afrikanischen Mitbrüder, bei denen der fundamentalistische Islamismus voranschreitet wie z.B. im Tschad, in Burkina Faso oder in Madagaskar, für den Dialog kaum ein Verständnis da ist. Ihre Erfahrung ist schlicht und einfach, dass mit „Dschihadisten“, die ihre Gesellschaften bedrohen und mit Gewalt zerstören, kein Dialog möglich ist.

Eine weitere Arbeit war, einen äußerst gut vorbereiteten Text über die Durchführung eines Nazarethmonates zu studieren und Ergänzungen einzuarbeiten. Insgesamt umfasste der Text 46 Seiten, wir haben uns mit den ersten 15 Seiten beschäftigt, zunächst in Sprachgruppen, dann im Plenum. Es war eine meines Erachtens äußerst gelungene Arbeit.

Schließlich stand die Wahl des neuen Generalverantwortlichen an, eine Sache, die sehr spannend war. Schlussendlich wurde Eric Lozada gewählt, ein 55-jähriger Priester von den Philippinen, er ist der erste Weltverantwortliche, der aus Asien kommt. Sowohl seine persönliche Vorstellung vor der Wahl als auch seine kurze Ansprache nach der Wahl waren für uns alle tief bewegend. Er scheint das Zeug für diese große und verantwortliche Aufgabe mitzubringen. Wir sind voller Hoffnung und voll Dankbarkeit.

Was die Tage auswärts anbelangt, so war ein Tag einer „organisierten Freizeit“ gewidmet, ein weiterer war unser „Wüstentag“ und der dritte war am Sonntag der Besuch in kleinen Gruppen in verschiedenen Pfarren. „Organisierte Freizeit“ bedeutete, zunächst mit unseren 2 Bussen die Gedenkstätte von Lapu-Lapu zu besuchen. Lapu-Lapu ist jener philippinische Häuptling, der im Jahr 1521 den spanischen Weltumsegler Maghellan im Kampf getötet hat. Dann ging es weiter zum Hafen, wo wir auf einem sehr wackeligen Steg zwei Boote bestiegen, um zu einer Insel zu fahren und dort zu baden und zu picknicken. Die Wassertemperatur entspricht hier etwa der Lufttemperatur von 28°. Abends gab es dann ein ziemlich spektakuläres Buffet, zu dem weitere philippinische Priester kamen. Mit Liedern und Tänzen aus aller Welt klang der Tag aus.

Wie bei solchen Treffen üblich, gab es auch einen Tag der Stille, einen Wüstentag, den jeder allein ohne irgendeine Lektüre oder Ablenkung und v.a. im Gebet verbringen sollte. 3 Orte wurden uns dafür vorgeschlagen, und ich ging mit jener Gruppe mit, die ihren Wüstentag im Areal des Klosters der Johannesschwestern verbringen konnte. Wir sind von unserem Quartier aus in einem etwa 40-minütigen Spaziergang zu Fuß hingegangen, was wieder ein echtes Eintauchen in die Welt von hier bedeutete. Das Kloster war für unseren Wüstentag ein wunderbarer Platz, am Stadtrand und somit recht still und auch mit einer großartigen Aussicht. Die Reflexion am Abend, über das, was den Einzelnen in dieser Zeit so alles gekommen ist, war für mich sehr spannend. Mein Beitrag, angeregt durch das, was ich an diesem Tag alles gesehen hatte war, dass es für eine gesunde Spiritualität eine Ausgewogenheit von 4 Bereichen braucht: Den Schrei der Armen nicht überhören, die Schönheit der Natur immer wieder genießen, dem Gebet einen Platz geben und die Freude wahrnehmen, die am Weg jedes Menschen zu finden ist. Beim zuletzt genannten Bereich hat mich das unbeschwerte und frohe Spielen der Kinder vor dem Kloster inspiriert.

Der dritte Tag mit einer Auswärts-erfahrung war schließlich der Sonntag, an dem wir in 9 Gruppen aufgeteilt wurden, um die Messe jeweils in einer Pfarre mitzufeiern und dort zum Mittagessen zu bleiben. Meine Gruppe wurde bei der Pfarrkirche „Maria von Guadeloupe“ abgesetzt, ein eindrucksvoller großer Kirchenbau vornehmlich in hellblau gehalten. Die eindringlichen Lautsprecher erinnerten mich allerdings sehr an das, was ich sonst mit Moscheen verbinde.

Die hl. Messe wurde in Englisch und „Cebuan“ gefeiert, auffallend waren wieder die vielen v.a. jungen Leute. Nach der dritten Messe wurde eine Gemeinschaftstaufe gefeiert. 25 Babys wurden zunächst von ihren Müttern in einer langen Reihe nach vorne gebracht, dann kamen die Väter und Paten hinzu. Solche Taufen sind hier das Normale, der Pfarrer erzählte uns, dass sie jeden Sonntag stattfinden, und von unseren Mitbrüdern erfuhren wir, dass sie dasselbe in den anderen 8 Pfarren erlebt hatten. Die Taufvorbereitung wird in einem Tagesseminar von Katechisten gemacht. Schließlich war dann noch eine Begräbnismesse mit insgesamt 3 Särgen bzw. Verstorbenen. Auch das ist hier so üblich.

Weiters fanden wir Zeit, die Straßen rund um die Kirche zu erkunden. Da gibt es so unendlich viel zu sehen und zu bestaunen, diesmal in besonderer Weise die vielen kleinen Geschäfte bzw. Straßenläden, wo man von Gemüse, Gewand, Fahrradreifen, Fisch und noch vielem mehr alles bekommen kann. Auch wird auf der Straße „ausgekocht“ und man kann dort essen, was wir allerdings unterlassen haben. Interessant war das Gespräch zu Mittag mit den 4 Priestern, die im Pfarrhof wohnten. Die Pfarre hat etwa 50 tausend Einwohner, eine große Kirche im Zentrum und 16 „Außenstellen“. In diesen Außenstellen gibt es jeweils einen „Laien-Chef“ mit seinem Team, der für das kirchliche Leben sorgt. Hin und wieder kommt ein Priester dorthin, v.a. um die Sakramente zu feiern. Die Hauptaufgabe dieser Teams besteht darin, kleine christliche Gemeinschaften zu stiften.

Wieder zurück in unserem Talavera Haus, konnten wir am Nachmittag etwas rasten. Abends wurde uns ein neuer Film aus Frankreich über das Leben von Charles de Foucauld gezeigt.
Nun bleiben noch zwei Tage, wohl um die Ergebnisse zu sammeln, und dann geht es wieder zurück nach Hause und in den Alltag.

Mo, 28.1.2019

Heute wurde der „Brief von Cebu“ vorgestellt und besprochen, eine Zusammenfassung dessen, was wir hier miteinander erlebt und erarbeitet haben. Dieser Brief soll an alle Mitbrüder in der Welt verschickt werden. Ebenso wurde ein kurzer Brief an Papst Franziskus besprochen.

Für mich war heute insofern ein besonderer Tag, als Eric, unser neu gewählter Generalverantwortlicher mich gebeten hat, im internationalen Team für die nächsten 6 Jahre mitzuarbeiten. Dieses Team ist so etwas wie ein „Rat“ auf Weltebene und besteht diesmal aus 5 Personen, 2 aus Asien, ein Afrikaner, ein S-Amerikaner und ich als Vertreter von Europa. Die Frage um meine Person stand schon seit längerem im Raum und so hatte ich Zeit, darüber nachzudenken und auch zu beten. Mit einem gewissen Zittern habe ich schließlich zugesagt. Was dies ganz konkret bedeuten wird, ist noch nicht wirklich klar, in jedem Fall wird es Honoré SAVADOGO (Burkina Faso), Eric LOZADA, (Phlippinen), eine gewisse „Reisetätigkeit“ mit sich Matthias KEIL (Österreich), Fernando TAPIA (Chile); bringen, da es üblich ist, dass sich nicht im Bild: Tony LLANES (Philippinen) dieses Team zumindest 1 Mal pro Jahr für mind. eine Woche bei einem der Mitglieder trifft. Weiters sollen Besuche bei verschiedenen Treffen auf der ganzen Welt gemacht werden. Ich hoffe, dass mich diese Aufgabe nicht überfordert, sondern dass ich mit Gottes Hilfe auch etwas in das internationale Team einbringen kann.

Die letzten beiden Tage waren mit Abschlussberichten, Zukunftsgesprächen und Einpacken bzw. Abschied-Nehmen ausgefüllt. Einen berührenden Gottesdienst feierten wir noch, bei dem das neue Team den übrigen Brüdern die Füße gewaschen hat.

Mit vielen Erlebnissen und Erfahrungen, mit einer echten Horizonterweiterung und hoffentlich auch Herzenserweiterung traten wir die Heimreise an und sind nun gut zu Hause angekommen. Möge die Intensität des Erlebten unseren Alltag befruchten und uns helfen, unseren Dienst als Diözesanpriester in der Nachfolge Jesu und inspiriert vom Charisma von Charles de Foucauld mit neuem Schwung zu tun.

Matthias Keil
Februar 2019

PDF: Cebu, Bericht eines Teilnehmers

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