{"id":5024,"date":"2021-01-16T08:57:15","date_gmt":"2021-01-16T07:57:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iesuscaritas.org\/?p=5024"},"modified":"2021-02-20T09:50:02","modified_gmt":"2021-02-20T08:50:02","slug":"texto-4-nuestra-forma-de-evangelizar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iesuscaritas.org\/de\/documentos\/texto-4-nuestra-forma-de-evangelizar\/","title":{"rendered":"Text 4. Der Uns eigene Weg einer Evangelisierung"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.iesuscaritas.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/fernando-tapia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5027\" src=\"https:\/\/www.iesuscaritas.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/fernando-tapia.jpg\" alt=\"\" width=\"224\" height=\"298\" \/><\/a>Fernando Tapia, Chile<\/p>\n<p>Als Di\u00f6zesanpriester haben wir Anteil an dem der Kirche eigenen weltweiten Auftrag, n\u00e4mlich zu evangelisieren. Papst Franziskus hat uns in seinem ersten apostolischen Schreiben &#8222;Evangelii gaudium&#8220; einige sehr klare Linien dazu aufgezeigt. Diese machen wir uns zu eigen, indem wir versuchen, im missionarischen Alltag unserer Pfarreien, Kommunit\u00e4ten, Bildungszentren, caritativen Zentren f\u00fcr die \u00c4rmsten usw. uns von ihnen inspirieren zu lassen.<\/p>\n<p>Dabei stellt sich die Frage, ob wir als Priester der Jesus Caritas Bruderschaft nicht eigene Akzente entwickeln sollten, die dem Charisma Bruder Karls und unserer Spiritualit\u00e4t entsprechen. Eigentlich ist das keine Frage; das will ich im Folgenden an einige Schl\u00fcsselbegriffen erl\u00e4utern.<\/p>\n<h2>1. DAS GEHEIMNIS DER INKARNATION<\/h2>\n<p>Der uns eigene Weg der Evangelisation ist gepr\u00e4gt vom Geheimnis der Menschwerdung, einem Geheimnis, das Bruder Karl faszinierte und das zur Wurzel seiner Spiritualit\u00e4t wurde.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u00bb Die Menschwerdung ist in der G\u00fcte Gottes grundgelegt. Doch eines erscheint dabei so wunderbar, brillant und erstaunlich, wie ein blendendes Zeichen: n\u00e4mlich die unendliche Bescheidenheit, die dieses Geheimnis umgibt. Gott, das Sein schlechthin, der Unendliche, der Vollkommene, der Sch\u00f6pfer, der aller Allm\u00e4chtigste, der souver\u00e4ne Herr \u00fcber allem, der wird Mensch, nimmt eine Seele und einen menschlichen K\u00f6rper an und lebt auf Erden wie ein Mensch, wie der Letzte von allen \u00ab<\/em><\/p>\n<p>Die Menschwerdung geschieht immer an konkreten Orten, zu bestimmten Zeiten, mit entsprechenden kulturellen Auspr\u00e4gungen. Bruder Karl leistete eine gewaltige Arbeit, um die Kultur der Tuareg, ihre Sprache, ihre Sitten, ihre Poesie u.a. darzustellen. So sollten wir immer den historischen Kontext, die Besonderheiten der Zeit, der Sitten und Gebr\u00e4uche der Menschen ber\u00fccksichtigen, denen wir das Evangelium predigen. Denn wir sind davon \u00fcberzeugt, dass Gott seine Menschwerdung in jede Zeit hinein verl\u00e4ngert und dass der auferstandene Christus auch durch die Zeichen unserer Zeit zu uns spricht, um uns einzuladen, am Aufbau seines Reichs des Lebens mitzuarbeiten.<\/p>\n<p>Im Hinblick darauf, dass Christus die Welt durch die &#8222;Pforte der Armen&#8220; betritt, wie es Msgr. Enrique Alvear ausdr\u00fcckte, sollten auch wir bevorzugt durch diese Pforte in unsere Aufgabe der Evangelisation eintreten und von hier aus die Frohbotschaft verk\u00fcnden.<\/p>\n<h2>2. AN DEN R\u00c4NDERN DER WELT<\/h2>\n<p>Einerseits verf\u00fcgbar gegen\u00fcber unseren Bisch\u00f6fen bevorzugen wir andererseits die verlassensten und entferntesten Orte der Kirche, n\u00e4mlich die geografischen oder existentiellen R\u00e4nder, wie es unser Papst Franziskus ausdr\u00fcckt. Gemeint sind R\u00e4nder wie: ge\u00e4chtete Menschen, entfernte Regionen, Fl\u00fcchtlingslager, Migranten, Drogenabh\u00e4ngige, der Freiheit Beraubte, also ganz allgemein: abgelehnte Menschen. Wenn wir ihnen nahe sind, sind wir auch in der Lage, ihren Schrei zu h\u00f6ren, der manchmal hauchd\u00fcnn, manchmal tosend daherkommt, &#8211; und uns auf ihn einzulassen. Arme Mittel zu gebrauchen ist Voraussetzung f\u00fcr unsere freundschaftliche und verst\u00e4ndnisvolle Gegenwart. 2<\/p>\n<p>Bruder Karl sagt uns:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u00bb F\u00fcr mich gilt: sucht immer den letzten der letzten Pl\u00e4tze, um so klein zu sein, wie mein Meister, um mit ihm zu sein und ihm nachzufolgen, Schritt f\u00fcr Schritt, wie ein gehorsamer Diener, wie ein treuer J\u00fcnger und wie (bei seiner unvergleichlichen G\u00fcte darf er so sprechen) ein treuer Bruder und Gemahl. \u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u00bb Dieses g\u00f6ttliche Festmahl, dessen Diener ich bin, darf nicht nur den Geschwistern oder Angeh\u00f6rigen, nicht nur den reichen Nachbarn angeboten werden, sondern den Lahmen, den Blinden, den verlorensten Seelen und denen, die keine Priester um sich haben. Ich habe darum gebeten und die Erlaubnis erhalten, mich in der algerischen Sahara einzurichten. \u00ab<\/em><\/p>\n<p>Wenn wir auf gutsituierte Posten gesandt sind, sollten wir Agenten einer sozialen Sensibilisierung sein, Br\u00fcckenbauer zwischen den Reichen und den Realit\u00e4ten der Armen.<\/p>\n<p>Immer sind wir vor Ort als Freunde und Br\u00fcder der Armen. Wir entdecken Gott, der sich hinter ihren Schreien und ihren Sehns\u00fcchten verbirgt. Und dar\u00fcber hinaus sind wir offen daf\u00fcr, dass die Armen uns evangelisieren und dadurch unseren Dienst bereichern.<\/p>\n<h2>3. PERS\u00d6NLICHES ZEUGNIS<\/h2>\n<p>Normalerweise und insbesondere im sozialen Abseits geschieht die Evangelisierung eher durch ein Lebenszeugnis statt durch gro\u00dfe Reden. Ein solches Zeugnis ist gepr\u00e4gt von N\u00e4he, Einfachheit, Offenheit, Feinf\u00fchligkeit, Interesse an den Ereignissen im Leben der Armen, gepr\u00e4gt von konkreten Hilfestellungen und einer inneren Freude. Bruder Karl beschreibt dies einem Freund so:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u00bb Du willst wissen, was ich f\u00fcr die Eingeborenen tun kann? Es ist unm\u00f6glich, ihnen direkt von unserm Herrn zu erz\u00e4hlen; das w\u00fcrde sie in die Flucht schlagen. Wichtig ist, bei ihnen Vertrauen entstehen zu lassen, sie als Freunde zu gewinnen, ihnen mit kleinen Diensten oder auch einem guten Rat zur Seite zu stehen, sich freundschaftlich an sie zu binden, sie sehr diskret an ihre eigene Religion zu erinnern, ihnen zu zeigen, dass die Christen sie sch\u00e4tzen. \u00ab<\/em><\/p>\n<p>Schon bei seinen Exerzitien vom November 1897 formuliert er seine Methode des Evangelisierens mit diesem Satz, den er Jesus in den Mund legt: \u00bb <strong>Lebt eure Berufung, das Evangelium von den D\u00e4chern herabzurufen, nicht mit Worten, sondern durch eurer Leben<\/strong> \u00ab<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass der Wort-Dienst Nebensache sei. Wir wissen, dass er ganz wesentlich zu unserer Berufung geh\u00f6rt, n\u00e4mlich den Glauben anzuregen und zu n\u00e4hren: \u00bb Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aber durch Christi Wort. \u00ab (R\u00f6m. 10,17). Das Vatikanum II formuliert es eindeutig: \u00bb Durch das Heilswort wird ja der Glaube im Herzen der Nichtgl\u00e4ubigen geweckt und im Herzen der Gl\u00e4ubigen gen\u00e4hrt. \u00ab<\/p>\n<h2>4. UNSERE OPTION F\u00dcR EINE BRUDERSCHAFT<\/h2>\n<p>Mit unserer Option f\u00fcr die Bruderschaft signalisieren wir unsere Bereitschaft zum Teamwork mit andern Priestern, unabh\u00e4ngig davon, ob sie zu unserer Bruderschaft geh\u00f6ren oder nicht, aber ebenso auch mit Ordensleuten, Diakonen und Laien. Wir m\u00f6chten lieber ein Bruder sein statt ein Tyrann, Professor oder Glaubensherr, gem\u00e4\u00df einem Wort des Konzils: \u00bb\u00a0Allen Menschen begegnen sie (die Priester) deshalb als ihren Br\u00fcdern. \u00ab7 Im Hinblick darauf kam Bruder Karl dem Konzil zuvor, wenn er die Zusammenarbeit mit den Laien sucht:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u00bb An der Seite der Priester sind Priscillas und Aquilas vonn\u00f6ten, um diejenigen wahrzunehmen, die der Priester \u00fcbersieht, um dort eintreten zu k\u00f6nnen, wo der Priester keine Chance hat, um denen zu begegnen, die vor ihm die Flucht ergreifen. Sie missionieren durch wohlwollende Begegnungen, mit einer \u00fcberbordenden Liebe zu allen, mit hingebungsvoller Z\u00e4rtlichkeit; ihr gutes Beispiel ist auch f\u00fcr solche attraktiv, die dem Priester den R\u00fccken zukehren. \u00ab (Assekrem, 3. Mai 1912).<\/em><\/p>\n<p>Aus solchen Gr\u00fcnden wollen wir uns bei der Ausbildung und geistlichen Begleitung der Laien, aber auch bei der Bildung bruderschaftlicher Gemeinschaften gen\u00fcgend Zeit lassen, weil wir Respekt haben gegen\u00fcber dem einer jeden Person eigenen Rhythmus. Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass unsere Bruderschaft als Lebensform danach dr\u00e4ngt, sich auszuweiten, denn sie ist gekennzeichnet von Freundschaft, Gleichberechtigung und Dialog<\/p>\n<p>Das Leben in Bruderschaft weist uns einen Weg dahin, dass wir Laien auch in pastorale Leitungsfunktionen unserer Pfarreien einbinden, dass wir uns jeglichen Autorit\u00e4tsfimmel oder Klerikalismus versagen, und zwar sowohl in unserem eigenen Verhalten, als auch bei den Laien, wenn sie solches passiv zulassen. Die Existenz pastoraler oder verm\u00f6gensrechtlicher R\u00e4te, unterschiedliche Gemeindeteams und Pfarrversammlungen, auch gemeinsame Pastoralplanungen etc. &#8211; all das m\u00fcsste deutliches Kennzeichen von Pfarreien oder pastoralen Aufgabenfeldern sein, die uns anvertraut sind.<\/p>\n<h2>5. EIN EUCHARISTISCH GEPR\u00c4GTES GEISTLICHES LEBEN<\/h2>\n<p>Voraussetzung einer solchen Art des Evangelisierens ist f\u00fcr jeden von uns ein sehr tiefes geistliches Leben; wir f\u00fchlen uns gedr\u00e4ngt, Jesus in den Evangelien zu betrachten, um, gef\u00fchrt vom Hl. Geist, ihm immer \u00e4hnlicher zu werden. Dieser Geist best\u00e4rkt uns in der Dynamik einer &#8222;Kenose&#8220;, also einer Hingabe und Ent\u00e4u\u00dferung, wie sie zum Geheimnis der Inkarnation geh\u00f6rt, indem wir vieles hintansetzen im Hinblick auf ihn und auf die Treue zum Evangelium:<\/p>\n<p>dazu geh\u00f6ren Vorurteile, materielle G\u00fcter, Ansehen, Machtstreben, Sicherheitsbed\u00fcrfnisse, etc. Diese &#8222;Kenose&#8220; gibt uns die innere Freiheit, neue Wege und neue R\u00e4ume f\u00fcr den Missionsauftrag der Kirche zu entdecken, indem wir uns in gro\u00dfem Vertrauen auf den Willen des Vaters einlassen.<\/p>\n<p>Unsere missionarische Dynamik, die uns dr\u00e4ngt, schwierige Orte zu suchen und darin auszuharren, wird gen\u00e4hrt von der Feier der Eucharistie, von der t\u00e4glichen Anbetung und all den anderen Mitteln spirituellen Wachstums, die unserer Bruderschaft zu eigen sind. Sie unterst\u00fctzen uns darin, uns der unendlichen Liebe Gottes zu uns zu vergewissern, seiner Treue und Barmherzigkeit, und sie geben uns Schwung bei unserem Auftrag.<\/p>\n<p>Die Eucharistie als Teilen des Brotes muss f\u00fcr uns zur Lebensform des Teilens werden, in der wir viele pers\u00f6nlichen Geschichten und Gespr\u00e4che miteinander austauschen, selbst mit Personen anderer religi\u00f6ser Traditionen.<\/p>\n<p>F\u00fcr \u00e4hnliche geistliche Erfahrungen m\u00fcssen wir auch bei den Laien den Boden bereiten, wenn wir unseren Pfarreien einen missionarischen Aufbruch erschlie\u00dfen wollen, wie er Papst Franziskus vorschwebt: als Kirche unterwegs sein, ohne Angst, sich zu verletzen oder schmutzig zu werden, um nach denen zu suchen, die fern sind und von der Gesellschaft abgelehnt werden. 8<\/p>\n<p>So er\u00f6ffnet uns die Eucharistie Wege zu einer kirchlichen Gemeinschaft, die sich immer mehr weitet. Bleiben wir uns dessen bewusst, dass die Evangelisierung ein gemeinsamer Auftrag der ganzen Kirche auf Di\u00f6zesanebene und auf Weltebene ist. Als Di\u00f6zesanpriester wollen wir die ersten sein, die sich dem Presbyterium zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, mit dem Bischof als dessen Haupt, indem wir ihn beim Entwickeln und Durchf\u00fchren di\u00f6zesaner Projekte mit unseren Charismen und pastoralen Akzenten unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h2>ANREGUNGEN F\u00dcR DIE PERS\u00d6NLICHE BETRACHTUNG UND DAS GEBET<\/h2>\n<ol>\n<li>K\u00f6nnt ihr diesen Ausf\u00fchrungen einen weiteren Punkt hinzuzuf\u00fcgen?<\/li>\n<li>Bewegt sich meine pastorale Struktur (Pfarrei, Bildungszentrum, etc.) im Sinn dieser Ausf\u00fchrungen?<\/li>\n<li>Welchen Akzent setze ich in meinem Lebensstil, um dieser Art des Evangelisierens treu zu bleiben?<\/li>\n<\/ol>\n<p>PDF: <a href=\"https:\/\/www.iesuscaritas.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Text-4-Der-uns-eigene-weg-einer-evangelisierung-DT.pdf\">Text 4 &#8211; Der uns eigene weg einer evangelisierung &#8211; DT<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fernando Tapia, Chile Als Di\u00f6zesanpriester haben wir Anteil an dem der Kirche eigenen weltweiten Auftrag, n\u00e4mlich zu evangelisieren. 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